Heidelberger
             Fastenbrechen

Erfahrungsberichte - Gäste


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Frau Noam L. schreibt:

"Fastenbrechen. Irgendwann schon mal gehört. Aber wie läuft das denn wirklich ab? Ist das eine ganze Zeremonie oder nur ein Abendessen, wie jedes andere auch? Und warum fasten Muslime während des Ramadans? Und das dann noch einen ganzen Monat lang? Wie hält man das durch? Kann man dann wenigstens vor Sonnenaufgang etwas zu sich nehmen? Und was machen die Restaurants in Ländern, deren Bevölkerung zum größten Teil muslimisch ist? Schließen die dann einen Monat lang am Stück oder haben sie nur abends geöffnet?

Ich hatte viele verschiedene Fragen, die ich mir stellte und war begeistert, als ich in der RNZ von dem geplanten Heidelberger Fastenbrechen las. So gastfreundliche Menschen, die ihre Türen öffnen wollen, um den Dialog zwischen verschiedenen Religionen und Kulturen zu fördern und Vorurteile abzubauen, das fand ich sofort sehr beeindruckend und interessant. Es wäre doch schön solch offene Leute persönlich kennenzulernen und sich einen Abend lang auszutauschen. Und das nicht nur über Religion, sondern einfach einen netten Abend zusammen zu verbringen und über Gott und die Welt zu plaudern.

Ohne lange Nachzudenken schaute ich mir die Webseite an. Ich erzählte meiner Mitbewohnerin von dem Projekt und wir meldeten uns noch am selben Tag an.

Am zweiten September war es dann endlich so weit: Gespannt fuhren wir zu unseren Gastgebern, Fatih und Mukaddes Ebrem Erol, die uns herzlichst begrüßsten und uns mindestens genauso neugierig und strahlend anlächelten, wie wir sie.

Nachdem wir die Schuhe ausgezogen hatten und ins Wohnzimmer kamen, durften wir es uns auf dem Sofa gemütlich machen. Der Jornalist der RNZ und der Fotograf waren etwas früher gekommen und bereits in ein interessantes Gespräch mit den beiden Gastgebern verwickelt.

Es war nicht schwierig in das Gespräch miteinzusteigen, denn das Fasten ist ja bekanntlich ein Teil verschiedener Religionen. Ich selbst kenne es aus dem jüdischen Religionsunterricht, den ich vor einigen Jahren besucht habe. Meine katholische Mitbewohnerin erzählte auch etwas über die christlichen Bräuche und Bedeutungen und so hatten wir sehr schnell ein buntes Mosaik der Religionen und Sitten, über das wir wahrscheinlich noch lange hätten sprechen können, wäre es nicht (nach dem Mondkalender) Zeit für das Essen gewesen! Wir setzten uns also an den schön gedeckten Tisch und freuten uns über das leckere Essen, das uns Mukaddes servierte.

Es war wirklich super lecker und ich kann mir kaum vorstellen, dass es einem noch besser hätte schmecken können, selbst wenn man den ganzen Tag über gefastet hat, denn dieses leckere Festmahl ist wohl kaum zu übertreffen!

Nach dem Essen unterhielten wir uns noch lange über verschiedene Themen und die Frau des Hauses saß kaum eine Minute still, weil sie so sehr damit beschäftigt war uns mit Chai, den türkischen Schwarztee oder Baklava mit Eis zu verwöhnen und immer sofort für Nachschub sorgte.

Die Stimmung wurde immer lockerer und die Zeit verging wie im Flug. Selbst als sich Jornalist und Fotograf verabschiedet hatten, wollten unsere Gespräche, die sich nun auch um privatere und informellere Themen, wie verschiedene Filme und Reisen, drehten, kein Ende nehmen.

Ich persönlich werde diesen netten Abend nie vergessen und freue mich, dass es auch noch Leute gibt, die ihre Türen öffnen und einen Dialog zwischen Menschen, egal welcher Herkunft, Religion und welchen Alters unterstützen. Ich finde es nicht nur mutig, sondern auch nötig, um die Welt jeden Tag ein kleines Stückchen besser zu machen und um andere Kulturen zu verstehen.

Noch einmal ein herzliches Dankeschön an die beiden lieben Gastgeber und an die Projektleitung. Ihr seid super Menschen und ich hoffe, dass sich andere ein Beispiel nehmen und sich anderen Kulturen öffnen, nicht nur in großen Diskussionen im Fernsehen oder privat um ihren Schein zu wahren, sondern auch im Alltag, bei den kleinen Dingen im Leben, wie zum Beispiel einem netten, gemütlichen Abend bei einem Glas Chai. "


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